"There is no better way to fly" heisst es großspurig auf diversen Flyern, Werbetafeln und sogar auf der offiziellen Homepage, jaha! Davon musste ich mich dieses mal einfach überzeugen. Alles begann an einem schönen, recht warmen Montag Morgen am Hamburg Airport. Die Vorfreude könnte kaum größer sein- endlich war es wieder soweit, ein Urlaubstrip in Richtung England, genauer gesagt London, stand an. "Hast du da nicht schon alles gesehen?" Nein. Es gibt immer wieder etwas zu sehen. Und wenn nicht- schaue ich es mir noch ein 2. mal an. Oder ein 3. mal. So!
Nachdem wir problemlos eingecheckt hatten, mussten wir noch eine kurze Zeit am riesigen Fenster verweilen und durften uns die Zeit mit auf- und absteigenden Flugzeugen vertreiben.
Unser Lufthansa Flieger sollte zeitgleich mit British Airways starten. Gleiches Ziel. Gleicher Flugzeugtyp. ER war schon da. Schon lange. Unser Flieger liess auf sich warten. Als bei British Airways schon die Schotten dicht gemacht worden sind, tauchte auf unserer Rollbahn endlich ein Flugzeug auf. Allerdings keines von Lufthansa. BMI. BMI?! Was ist denn das? Stimmt, ich hatte ja im Internet gelesen, daß LH einige Flüge von Hamburg nach London von British Midland durchführen lässt. Scheinbar war das so ein Flug. Daß wir nun bei einer deutschsprachigen Airline doch kein Deutsch sprechen durften, war in diesem Moment egal, Hauptsache es ging endlich los!
Herrliche Beinfreiheit, muss ich zugeben. Aber keine Ellenbogen Freiheit- neben mir sass ein schlauer, zeitungslesener Geschäftsmann, der Sack hat BEIDE Lehnen für sich in Anspruch genommen! Tz.
Der Flug selber war angenehm ruhig, d.h. der Flieger glitt sanft durch die Lüfte, ohne auch nur ein einziges mal zu ruckeln. Echt Klasse. Da sind wir vom irischen Konkurrenten ganz andere Sachen gewohnt. Mit einer halben Stunde Verspätung sind wir dann endlich auf dem Flughafen Heathrow gelandet. Erster Eindruck: sieht irgendwie genauso aus wie in Stansted. Gleiche Gänge, gleiche Schilder, gleiche Fenster mit den typischen Aufklebern. Seis drum.
Auch der schönste Urlaub geht leider irgendwann vorbei. Unser Flieger in Richtung Heimat stand um 7:15 auf dem Programm. Puh, da müssen wir aber ganz schön früh aufstehen...sicherheitshalber um 3:20. Schließlich müssen wir mit den Londoner Nachtbussen noch die halbe Karte, die wir vor uns halten, abfahren, ehe wir dort sind. Die Busse kamen angenehm schnell durch Londons Strassen, zwar herrschte schon reger Verkehr, aber keiner hielt uns großartig auf. Und beschissen haben wir tfl (Transport for London) auch noch haha: unser Day Ticket war bis 4:30 gültig, wir sind um 5 noch in den finalen Bus Richtung Heathrow gestiegen. Der Fahrer freute sich wohl auch schon auf den Feierabend, groß kontrolliert hat er jedenfalls nicht.
1 Stunde bevor unser Flieger schon abheben sollte, waren wir erst am Flughafen. Jetzt aber schnell! Mit viel Hetze rannten wir durch die Check-in Terminals, der Gepäckaufgabe und den Sicherheitsbestimmungen. 6:45. Geil! Nur noch 30 Minuten warten und schon geht es los. So dachte man jedenfalls.
Die Anzeigetafeln verrieten den hiesigen Gästen, zu welchem Gate man schlendern musste. Gate bedeutet Abflugplatz. Alle Flüge in und um unseren hatten ihren ungeduldigen Gästen unlängst ihr Gate verraten, nur wir hockten ernüchternd in der Duty free Zone und warteten. Und warteten. 7:15. Eigentlich sollten wir just in diesem Moment in der Luft sein. Terminal: please wait. 7:30. Wir erhielten endlich Nachricht, was los ist. Aha, es gibt eine neue Abflugzeit! 10:00- to the Gate at 9:20....10 UHR?! Suuuuuper! Sind ja nur noch 2 1/2 Stunden. Oh du schöner, versäumter Schlaf. Über nähere Gründe informierte man uns nicht.
Gut, gehen wir halt eine rauchen. Ach, da war ja schon wieder was. Die Engländer haben ja eines der schärfsten Nichtrauchergesetze der Welt. Zum rauchen musste man aus dem Gebäude raus. Wir mussten also das komplette Ankuftsprozedere mitmachen, so als wären wir frisch gelandet. Pässe wurden kontrolliert, endlos lange Gänge wurden durchforstet. Irgendwann waren wir denn endlich draussen, schnell ne Fluppe durchziehen und wieder rein. Und selbstverständlich alles von vorne- einchecken, durch die Sicherheitskontrolle ect pp. Gegen kurz nach 8 wurden wir dann erneut von Duftflacons und sündhaft teurem Whiskey begrüsst. Kurzer Blick auf die Abflugtafeln- oh Wunder, statt 10 war es nun plötzlich 9 Uhr Abflugzeit, 8:20 sollte man zum Gate. Sollte. 8:30. Nichts. 8:45. Nichts. Kurz vor 9. Es kam ein "special Announcement " für unseren Flug. Lustigerweise hatte der 8:55 Flug, wohlgemerkt nicht unserer, sondern der Folgende, praktisch schon die Türen geschlossen. Da sollten wir aber noch mit rein!
Wir hetzten im Eiltempo durch den Flughafen zum angegebenen Gate. Völlig entnervte Mitarbeiterinnen begrüssten uns, warum wir denn nicht eher gekommen wären und wieso wir die Ansage und überhaupt die Informationen nicht wahr genommen hätten...?! Moment mal, auf den Anzeigetafeln steht immer noch "please wait", ausser EINER Durchsage kam gar nichts! Naja, was solls, wir wollten nur noch nach Hause. Leider stellte sich heraus, daß die Platzbelegung durch die Zusammenlegung von 2 Flügen völlig durcheinander gewürfelt worden ist. Eiligst verteilten die Heathrow Sklaven die bösen zu-spät-Kommer auf die wenigen Plätze. Es kam, wie es kommen musste: wir wurden getrennt. Ich sass neben 2 Lästerbacken von einer scheinbar äußerst wichtigen Firma. So wichtig wie die Klangen ("Meeting verschieben", weil deren Flug ja auch schon seit 30 Minuten überfällig war), fühlte ich mich richtig wohl auf meinem Platz. Immerhin am Fenster. Meine Freundin sass 11 Reihen weiter hinten. Ebenfalls mit 2 fremden Meschen. Praktisch mit letzter Kraft kam noch eine Nachzüglerin zu uns an Bord. Ich hörte sie reden. Sie hörte die eine, kurze special Announcement nicht. "Ja da stand ja 10 Uhr, keine weiteren Informationen, kein Gate, nichts. Plötzlich wurde ich namentlich ausgerufen, ich möge bitte sofort zu meinem Flug kommen". Okay...
Die Lufthansa hat es also tatsächlich geschafft, uns einige der schönsten Tage im Jahr zu versauen. Entschädigt hat uns der tolle London Aufenthalt, dennoch, der Flug, vor allem zurück, war eine einzige Katastrophe. Das war nicht meine Vorstellung von einem mehrere hundert Euro teuren Flug, letzlich alleine sitzen zu müssen. Stundenlange Verspätungen inklusive.
Selbst das eine Brötchen ("Snacks on Board") und das 0,1 l große Glas Cola tröstete nicht über die Mißstände hinweg. In Zukunft weiss ich eines ganz genau: ich schei++e auf das Brötchen. Dafür fliege ich lieber pünktlich. Und zuverlässig. Zu einem Bruchteil des Preises. Und nehme dafür auch ein kleines bisschen ruckeln in Kauf.
In diesem Sinne-
there is no better way to fly

Juni 2010
Oktober 2009
